Der Grundschulweg unserer katholischen Kirche in Böblingen

Kinder entwickeln ihren Glauben schon in jungen Jahren. Bindung an Mutter und Vater und Vertrauen in die Welt zu entwickeln sind die ersten Schritte. Dann wollen sie wissen, woher alles kommt, und was denn ist, wenn jemand stirbt. Die Frage nach Gott will beantwortet sein.

Gleichzeitig haben viele Familien zwischen Taufe und Erstkommunion kaum Kontakt zur Kirchengemeinde. Manche Eltern fühlen sich allein gelassen und überfordert mit der religiösen Erziehung ihrer Kinder. Wie in vielen anderen Gemeinden auch, stellt sich auch bei uns die Frage nach einer adäquaten Begleitung von Kindern und Eltern auf ihrem Glaubensweg.

Der Grundschulweg ist unser Ansatz, die Familien stärker zu begleiten und die Zeit zwischen Taufe und Erstkommunion zu füllen. Die Wegbegleitung während der Grundschulzeit der Kinder soll eine Basis sein, auf der ihr Glaube wachsen und sich ausdrücken kann und ein Ort der Begegnung zwischen Familien und Gemeinde.

Eine wichtige Erfahrung, die zur Konzeption des Grundschulweges führte, war die ganz unterschiedliche Motivation von Eltern und Kindern: Erwartungen nach möglichst intensiver Begleitung stehen neben Wünschen nach einer feierlichen Erstkommunion ohne großen Vorbereitungsaufwand. Nun können wir nicht allen alles recht machen. Aber mit dem Grundschulweg wächst ein differenzierteres Angebot für die unterschiedlichen Bedürfnisse. Die Vorbereitungszeit auf die Erstkommunion (in der dritten Klasse) ist kürzer zugunsten von Angeboten, die bereits in der ersten Klasse beginnen.

Der Grundschulweg und gliedert sich in einen Zyklus von fünf Festen, die auf die ersten vier Schuljahre verteilt sind. Er beginnt mit dem ökumenischen Einschulungsgottesdienst und endet ebenfalls ökumenisch mit einem Gottesdienst zum Schulwechsel der Viertklässler.

In jedem Jahr zwischen Oktober und Juni werden die Kinder des betreffenden Schuljahres zu einem katechetischen Kurs (Katechese = Unterweisung im Glauben) mit abschließendem Festgottesdienst eingeladen. Dabei werden die Sakramente Taufe, Kommunion und die Feier der Versöhnung erschlossen. Wir feiern in der ersten Klasse das Kinderkirchenfest als Tauferinnerung, in der zweiten Klasse das Lichterfest, in der dritten Klasse Erstkommunion als Fest des Brotes und in der vierten Klasse das Fest der Versöhnung. Das Fest des Gewandes bezeichnet die Aufnahme der Kinder in den Ministrantendienst.

Die Elemente des Grundschulweg

Im Grundschulalter wächst das Kind über den Raum der Familie hinaus. In neuer Weise kann es die Pfarrgemeinde kennen lernen und dabei entdecken, wie bedeutsam unsere liturgischen Rituale sind. Der Grundschulweg ermöglicht Kindern und Eltern in ihrem religiösen Wachsen nicht alleine zu bleiben, sondern Anregung und Unterstützung zu erfahren.

Das Kinderkirchenfest

Dieser Kurs für die Erstklässler findet in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten statt. Bis dahin haben sich die Kinder gut in der Schule eingewöhnt. Eingeladen werden alle Eltern, deren Kinder den katholischen Religionsunterricht besuchen. Im Mittelpunkt stehen die Zeichen von Wasser und Kreuz und die Tauferinnerung der ganzen Familie.

Auf einem Elternabend wird erst das Gesamtkonzept „Grundschulweg“ und dann der Weg zum Kinderkirchenfest vorgestellt.

Die Kinder treffen sich zu einem „katechetischen Nachmittag“ zu den Themen „Wasser – Zeichen des Lebens“ und „Taufe Jesu“. Dass die eigenen Eltern diesen Nachmittag mit-gestalten finden die Kinder prima. Auch dadurch wird deutlich, dass Glaubens-unterweisung in der Familie und in der Gemeinde zusammengehören.

Das Fest des Lichtes

feiert die Gemeinde mit den Kindern der zweiten Klasse jeweils im Vorabendgottesdienst des ersten Februarwochenendes (Mariä Lichtmess). Als besonderes Element zünden die Kinder selbst ihre Taufkerze an der Osterkerze an. Sie tragen das Licht in einer Prozession durch die dunkle Kirche.

Kinder haben ein feines Gespür für den Kontrast von Licht und Dunkel. Dunkelheit ist häufig mit Angst, Irrtum und Tod verbunden. Licht macht hell und sichtbar, schenkt Wärme und Geborgenheit, verhilft allem zum Leben. Licht ist uns Zeichen für die Gegenwart Jesu, die auch dem heutigen Menschen Klarheit und Geborgenheit zu schenken vermag.

Die Eltern der Zweitklässler werden wieder mit einem Brief zu einem Elterntreffen eingeladen. An diesem Abend wird inhaltlich auf die Lichtsymbolik eingegangen, wichtig bleibt dabei immer die Verbindung zum eigenen Alltagserleben. Die Kinder, treffen sich im Januar zu zwei „katechetischen Nachmittagen“ die nach Möglichkeit auch von Müttern oder Vätern angeleitet werden. An diesen Nachmittagen sollen die Kinder Jesus als »das Licht der Welt« verstehen lernen, »das jedem Menschen leuchtet«.

Das Fest des Brotes (Erstkommunion)

wendet sich an die Kinder der dritten Klasse. Es nimmt den größten Zeitraum ein, da wir auf dieses Fest einen Schwerpunkt legen. Die Dauer der Vorbereitungszeit erstreckt sich von Anfang Januar bis Ostern, davor können sich die Kinder an den Projekten Krippenspiel und Sternsingen beteiligen. Die Familien werden im Herbst angeschrieben und zu einem Elterntreffen oder einem persönlichen Anmeldegespräch eingeladen. Wesentlicher Inhalt dieser Gespräche ist die Bedeutung der Kommunion als Beziehungs- und Kommunikationsgeschehen. Deshalb werden die Eltern zu einem aktiven Mitgestalten eingeladen. Sie lernen neu mit ihrem Kind über religiöse Fragen als Hilfe zu einem sinnerfüllten Leben zu sprechen.

Die Katechese ruht auf den verschiedenen Pfeilern: dem Gespräch in der Familie, dem Treffen der Eltern, den Gruppentreffen der Kinder und dem gemeinsamen Erleben und Mitfeiern der Gottesdienste. Familiennachmittage vertiefen das gegenseitige Kennen lernen.

Die Gemeinschaft mit Jesus und untereinander und die zentralen Symbole Brot und Wein sind thematische Schwerpunkte des Kommunionweges. Zu den Gottesdiensten der Osterzeit werden die Familien besonders eingeladen. Am Fest des Brotes, ihrer Erstkommunion ziehen die Kinder in weißen liturgischen Gewändern in den Gemeindegottesdienst ein. Im Kreis um den Altar bilden Kinder und GruppenbegleiterInnnen den ersten Kommunionkreis, die Gemeinde schließt sich dann an. Den Abschluss des Kurses bildet ein Ausflug am schulfreien Montag.

Das Fest der Versöhnung (Erstbeichte)

feiert die Gemeinde mit den Kindern der vierten Klasse am ersten Adventssonntag. In der Vorbereitung auf dieses Fest soll etwas von dem spürbar werden, was Jesus mit seiner Botschaft vom liebenden und versöhnenden Gott gemeint hat. Unsere Welt ist nicht in Ordnung aber im Licht der Liebe Gottes verschwinden die Schatten. Dieses Geschenk der Versöhnung geben wir einander weiter, wenn wir aufeinander zugehen und neu Beziehung stiften. Konkret kann Versöhnung etwa dort werden, wo in einem Gespräch die Dinge zum Thema werden können, die für den Einzelnen existentiell sind, ihn zutiefst positiv oder negativ prägen.

Väter und Mütter treffen sich zu einem Elternabend, an dem meditativ und im Gespräch Wege der Versöhnung thematisiert werden. Dabei ist es immer wieder notwendig auch auf die häufig schlechten Beichterfahrungen der Eltern einzugehen.

Für die Kinder wird in kleinen Gruppen anhand der Zachäusgeschichte Umkehr und Versöhnung thematisiert. Ihr Weg mündet in den als Versöhnungsparcours mit vielen Impulsen gestalteten Kirchenraum. Die letzte Station (das Haus des Zachäus in dem Jesus zu Gast sein will) ist das Versöhnungsgespräch (Beichte).

Das Fest des Gewandes (Feierliche Aufnahme in den MinistrantInnendienst)

findet zwischen der Erstkommunion und dem Fest der Versöhnung statt. Es unterscheidet sich von den anderen Festen auf dem Grundschulweg vor allem durch die Art der Vorbereitung. Im Mittelpunkt steht das praktische Einüben des Ministrantendienstes. Nach etwa 8-10 Treffen werden die Kinder an ihrem Fest des Gewandes namentlich der Gemeinde vorgestellt, in ihre Gewänder gehüllt und feierlich in den Dienst gestellt. Damit werden sie auch in die Gruppe der Ministrantlnnen aufgenommen und zu den 14-tägigen Gruppentreffen der Minis eingeladen.

Das weiße Gewand, das in jedem Gottesdienst stellvertretend für die ganze Gemeinde von Priester, Ministranten und anderen liturgischen Diensten getragen wird, soll an das Taufkleid erinnern. Es zeigt an, dass die Kinder durch Christus zu »neuen Menschen« geworden sind.

 

Text: Bernd Müller