Kirchenführung

Mit der Errichtung der Kirche wollten Erbauer und Gestalter auf ein Christusbekenntnis der Urkirche hinweisen:

Wahrhaftig, das Geheimnis unseres Glaubens ist groß: Christus wurde offenbart im Fleisch, als der Heilige dargetan im Geist, geschaut von den Engeln, verkündet den Heiden, geglaubt in der Welt, erhöht in Herrlichkeit. (lTim 3,16)

Das Tauffenster

Das Tauffenster im Taufbezirk der Kirche erinnert an die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan. Der Heilige Geist, dargestellt im Symbol der Taube, offenbart Jesus als den geliebten Sohn des Vaters.

 

 

Der Taufstein

Über den Taufstein, der sich in der Nähe des Tauffensters befindet, rinnen an den Ecken die vier Paradiesströme; "Ströme lebendigen Wassers" fließen aus dem Kreuz Christi - ein Symbol, in das die Taufbewerber in den Tod und die Auferstehung Jesu Christi hineingetauft werden.

Geschaut von den Engeln

Unter der Kirchendecke geht das Tauffenster in einen Fensterfries über; er führt in fast 20 Meter Länge zum Chorraum der Kirche. In den Bildern sind zwei Aussagen über die Engel erkennbar: Engel sind “ganz Auge”, denn “sie schauen das Antlitz des Vaters, der im Himmel ist”, Engel sind Boten Gottes. Darum die Flügelpaare, Zeichen der Bereitschaft für Gott. Die den Engel beigegebenen Symbole (Schwert, Szepter, Thron) sind Zeichen für die Herrschaft des Geistes in der Welt Gottes. Wie in Feuerflammen erscheinen die Engel; sie sind ganz Bereitschaft, ganz Anbetung und Bewegung zum ewigen, alleinigen Gott hin. Neun Chöre der Engel nennt die Heilige Schrift: Engel und Erzengel, Fürstentümer (Koll,16), Gewalten (IKor 15,24), Herrschaften (Eph 1,22), Mächte (Röm 8,38), Throne (Kol 1,16) Cherubim und Seraphim. In dieser Reihenfolge sind in den einzelnen Fensterabschnitten die Engel dargestellt.

Verkündet den Heiden

Beginnend an der Apsiswand führt ein Bilderfries an der Nordwand in biblische Verkündigungs berichte ein. "Das Licht, das die Heiden erleuchtet" (Lk 2,32) und davor der siebenarmige Leuchter des Tempels werden dargestellt.

Hieran schließen sich Stern und die Sterndeuter aus dem Osten (Mt 2.2 ff.) an. Im dritten Bild hört der Hauptmann von Karphanaum das Wort Jesu: "Die Heiden werden kommen und im Himmelreich zu Tische sitzen" (Mt 8,5 ff.).

Dem Bild ist die römische Standarte beigegeben. Es schließt sich eine Darstellung aus dem siebten Kapitel des Markusevangelium an. Im Gebiet von Tyros begegnet Jesu einer Frau. Diese, von Geburt Syrophönizierin, war eine Heidin. Diese bittet für ihre schwerkranke Tochter. Jesus lehnt zunächst ab. Da sie aber einwendet: Auch für die Hunde unter dem Tisch fällt etwas von dem Brot ab, das die Kinder essen", antwortet Jesus: "Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der Dämon hat deine Tochter verlassen" (Mk 7,3).

Die Petruspredigt vor den Heiden (Apg 10,44 ff.) zeigt das anschließender Bild: "Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, daß auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. "

Am Ende des Fensterbandes die Pauluspredigt auf dem Areopag in Athen (Apg 17,19 ff.) Paulus verkündet Christus vor dem Altar des unbekannten Gottes: "Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch."

Der Altarraum

Geglaubt in der Welt

An der Rückwand des Altarraumes greift das Backsteinmosaik in einer Größe von acht auf vierzehn Metern das Unterthema auf: "Christus, geglaubt im Kosmos, in der ganzen Weltenschöpfung." Das Bild gibt Zeugnis vom "Wort, das Fleisch geworden ist". Christus in der Mandorla sitzt der Gemeinde Gottes als ihr Kyrios gegenüber. Umgeben von zwei Cherubim ruft er die Menschen zum Gottesdienst und in seinen Dienst für die Menschen.

Die vier Wesen, die in der Offenbarung des Johannes genannt werden (Offb 4,6 f.), bilden die "Hörner des Altares". In ihnen lebt die Erinnerung an die alten vier Tierkreiszeichen der vier Himmelsrichtungen weiter. Sie sind zugleich die Sternbilder in der Mitte der vier Jahreszeiten. In der Kirche sind sie die Symbole für die vier Evangelisten. Das, was auf dem Altar gefeiert wird, ist gedeutet und getragen vom Wort, das die Evangelisten überlieferten: Mensch für Matthäus: sein Evangelium beginnt mit dem Stammbaum J esu Christi Löwe für Markus: sein Evangelium beginnt mit der Stimme des Rufers in der Wüste Stier für Lukas: sein Evangelium beginnt mit dem Opfer des Zacharias im Tempel Adler für Johannes: sein Evangelium gleicht dem Flug des Adlers und beginnt mit der Unendlichkeit Gottes

Die Tabernakel-Stele

An der Rückseite des Chorraumes befindet sich die Sakramentenstele, in die der Tabernakel eingearbeitet wurde. In ihm werden die konsekrierten eucharistischen Gaben aufbewahrt, insbesondere um den Kranken und Sterbenden jederzeit gereicht werden zu können. Das Ewige Licht in der Stele weist auf die Eucharistischen Gaben hin.

Der Tabernakel, der ursprünglich auf dem Altar angebracht war, zeigt Motive des 21. Kapitel der Geheimen Offenbarung: "Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; ... im Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden drei Tore und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore; die Grundsteine der Stadtmauer sind mit edlen Steinen aller Art geschmückt". Das Lamm auf der Tabernakeltüre, Symbol für die Hingabe Gottes in Jesus Christus, verwaltet die Geheimnisse Gottes. Selig werden in der Heiligen Schrift die gepriesen, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind.

Der Ambo

Der Ambo ist der zentrale Ort für die Verlesung des Heiligen Schrift und auch für deren Auslegung in der Predigt.

Zwei biblische Gestalten sollen darauf hinweisen:

Der Prophet Jesaia hebt als adventlicher Hinweiser auf den verheißenen Messias die Schriftrolle des Alten Bundes in die Höhe;

Johannes der Täufer trägt das Buch des Neuen Bundes.

Die Seitenkapelle

Die Seitenkapelle ist in ihrer Gestaltung Maria, der Mutter Jesu, gewidmet. Der Raum ist zugleich Beichtkapelle. Das Glasbetonfenster ist deshalb in der dunkelvioletten Farbe der Buße und der Umkehr gehalten. Von der linken Seite aus gesehen, folgen die eingepaßten Symbole den Ereignissen von Geburt und Kindheit Jesu. Der Taube als Zeichen der geistgewirkten Empfängnis folgt das Namensmonogramm Marias, zugleich dargestellt als Pforte des Himmels, durch die ihr Sohn in die Welt kam. Es folgen der Stern von Bethlehem und die Krippe mit dem Kind, "das in Windeln gewickelt" (Lk 2,12) ist. In den Gaben der Sterndeuter Krone (für Gold), Weihrauch und Kreuz (für Myrrhe) wird ausgesagt, was wir Christen Gott schenken sollen: das Gold unserer Liebe, den Weihrauch unserer Anbetung und das Kreuz unseres in Christus getragenen Leidens. Weiter zeigt das Fenster das Festgeheimnis der Darstellung Jesu im Tempel (2. Februar):

Das Taubenpaar, mit dem nach jüdischen Brauch die Erstgeburt im Tempel ausgelöst wurde, das Schwert, das nach der Verheißung des Simeon die Seele Marias durchdringen wird, und das Licht mit dem Christusmonogramm (IHS), das" die Heiden erleuchtet" (Lk 2,32).

Der Wandteppich

Der Wandteppich ist die bildliche Darstellung des zwölften Kapitels der Geheimen Offenbarung: "Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt". Hier wird verschlüsselt die Gefährdung des jungen Christentums durch die Verfolgungen unter Domitian (römischer Kaiser 81-96) beschrieben und gilt für das Schicksal des Gottesvolkes des Neuen Bundes für seinen Weg durch die Zeit. "Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Szepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte;".

Die Orgel

Am Fest Mariae Verkündigung, dem 25. März 1995, wurde die Orgel eingeweiht. Sie ersetzte eine von vornherein als Provisorium gedachte, 1964 angeschaffte Kleinorgel. Als diese nach mehr als 30 Jahren immer häufiger in ihrer Funktion gestört war, wurde der Wunsch nach einem den liturgischen und musikalischen Bedürfnissen adäquaten Instrumentes immer drängender. Nach intensiver Diskussion entschied der Kirchengemeinderat nach Anhörung der Gemeinde und der bischöflichen Orgelexperten 1992, ein neues Instrument anzuschaffen. Den Auftrag hierfür erhielt der Orgelbaumeister Peter Plum aus Marbach am Neckar. Unter dem Sachverstand des Domorganisten und Orgelsachverständigen Wolfram Rehfeld entstand nach dem System der mechanischen Schleiflade eine Pfeifenorgel als dreimanualige Anlage. In vier Werken sind in 25 Registern 1.698 Pfeifen eingebaut. Disposition: Wolfram Rehfeld, bischöflicher Orgelsachverständiger und Domorganist, Rottenburg a.N. Entwurf, Anfertigung, Intonation: Orgelbau Peter Plum, Marbach am Neckar

Künstlerische Gestaltung

Wilhelm Frank Architektur
Professor Wilhelm Geyer Entwürfe der Fenster, der Altarrückwand und des Wandteppichs
Elisabeth Geyer Ausführung des Wandteppichs
Josef Henger Altar, Sakramentsstele einschließlich Tabernakel, Ambo, Vortragskreuz, Sedilien,
Taufstein, Mariensäule am Portal,
Konsole für die Marienfigur im Inneren,
Kreuzweg, zwei Weihwasserbecken.
Hubert Deininger Ausführung der Bleiverglasungen
Wilhelm Derix Ausführung der Betonverglasung

 

 

Die Marienkirche verdankt ihre Entstehung vor allem dem damaligen Stadtpfarrer Eduard Hampf.

Der schönste Schmuck der Kirche indes ist die Gottesdienst feiernde Gemeinde und jeder, der sich hier betend und betrachtend dem geoffenbarten Geheimnis Gottes zu nähern sucht.

Im Januar 2002

KGD