Entstehung und Geschichte der Partnerschaft mit Chicahuaxtla

Unser Ansprechpartner und der Initiator der Partnerschaft mit einer indianischen Gemeinde in den Bergen des Bundesstaates Oaxaca von Mexiko ist Padre Manuel.

Er hat 1978 im Rahmen der Ferienarbeit für lateinamerikanische Studenten aus Rom bei Daimler gearbeitet und sich damals mit Leuten aus St. Bonifatius angefreundet. In den Jahren 1995/1996 hat er in Tübingen als Dogmatiker über sein Lebensthema promoviert: „Y la Palabra de Dios se hizo Indio“ („Und das Wort Gottes ist Indio geworden“). Bereits seit den 1980er Jahren ist Padre Manuel von St. Bonifatius bei seiner Arbeit in verschiedenen Gemeinden in Oaxaca unterstützt worden.

1997

Bevor im Juni 1997 Padre Manuel nach San Andrés Chicahuaxtla kam, hatte diese Gemeinde 17 Jahre lang keinen Pfarrer gehabt und auch in der Zeit davor war kein Pfarrer länger als 1 Jahr geblieben. WARUM?- In Oaxaca wird der Pfarrer allein von den Gemeinden bezahlt. Zur Gemeinde gehören 27 Dorfgemeinschaften, 26 mit rein indianischer Bevölkerung (davon 13 Mixtecos und 13 Triquis) und eine, in der die Mehrheit Mestizen sind.  Alle haben eines gemeinsam: sie sind sehr arm und können „ihren“ Pfarrer nur unzureichend unterstützen.  Da auch die arme Diözese hier wenig tun kann, ist ein Überleben ohne die Hilfe von außerhalb auch für den engagiertesten Pfarrer kaum möglich, geschweige denn eine effektive Seelsorge in den weit verstreut liegenden Einzeldörfern.

1999

In den Jahren ohne festen Pfarrer haben die Katecheten vor Ort und  4 Schwestern eines mexikanischen Ordens die religiöse Praxis der tiefgläubigen Indios begleitet, und mit ihrem persönlichen Einsatz für den Weiterbestand der Gemeinden gesorgt.  Padre Manuel hat - mitunserer Hilfe - erreicht, dass diese Arbeit ausgeweitet und vertieft wurde., auch durch die Ausbildung von ca. 50 Katechetinnen und Katecheten. Einer von ihnen ist Daniel Simangas, der inzwischen Theologie studiert (siehe Extrabericht).

Mit seiner Indianerpastoral hat er diesen Menschen eine neue religiöse Identität ermöglicht und das Vertrauen der Indios in eine solidarische Kirche wieder hergestellt.  Seine Arbeit ist auch Hoffnung für alle, denen es wichtig ist, dass Kirche in und mit der gewachsenen Kultur der Menschen lebt und wächst und so zu ihrer Kirche wird.

Das Mandat des Bischofs für Padre Manuel gilt für 5 Jahre, bis 2001. Die gesetzten Zeichen der Solidarität bleiben darüber hinaus wirksam.

2003  Parroquia

Im Jahr 2003, also 2 Jahre später als ursprünglich mit dem Bischof vertraglich vereinbart, wurde Padre Manuel an den Stadtrand von Oaxaca-Stadt versetzt, in eine Gemeinde, die wegen ihrer mild- und wundertätigen Madonna einen besonderen Platz einnimmt. Viele der nach Oaxaca-Stadt immigrierten Indígenas wohnen im direkten Umfeld dieser Gemeinde und sehen sie als ihr natürliches Zuhause an.

Padre Manuel hat dies aufgegriffen und hat die Gemeinde mit vielen Angeboten und Aktivitäten der indianischen Pastoral zum Zentrum und zur Anlaufstelle für alle diejenigen Indígenas gemacht, die auf der Suche nach Arbeit in die Stadt kamen. Dort wird er seither weiterhin von St. Bonifatius unterstützt.

2003 - 2016

In San Andrés Chicahuaxtla haben inzwischen die Schwestern der Missionsstation San Miguel Progreso die von Padre Manuel begonnene Arbeit erfolgreich weiter geführt.

Verschiedene Nachfolger auf der Pfarrstelle sind entweder nach kurzer Zeit wieder verschwunden oder hatten kein echtes Interesse an den indianischen Gläubigen.

Die Erhaltung und Vertiefung der pastoralen Arbeit lag deshalb in der Verantwortung der Schwestern und sie wäre nicht in dem Maße möglich gewesen ohne die großartige Unterstützung durch einige sehr engagierte und zweisprachige Katecheten. Sie widmen sich praktisch in Vollzeit der Seelsorge. Diesem Team und seinen Aufgaben gilt seither unsere Unterstützung.

2017/2018

Seit einiger Zeit gab es immer wieder Konflikte sowohl zwischen den Bewohnern der beiden Orte San Andrés Chicahuaxtla und San Miguel Progreso, als auch zwischen der indianischen Obrigkeit von Chicahuaxtla und dem derzeitigen Pfarrer, Padre Arturo. Die Hintergründe sind vielfältig, vorwiegend aber alte Landkonflikte und der ethnisch bedingte Konflikt zwischen den Triqui aus Chicahuaxtla und den Mixteco der anderen Dorfgemeinschaften. Im Jahr 2016 hat der damalige Bischof zudem den Sitz der Kirchengemeinde von Chicahuaxtla (Triqui!) in eine mixtekische Gemeinde verlegt. Als Reaktion darauf haben die Triquis dem Pfarrer mehrere Monate lang den Zugang zur Kirche verweigert. Durch den engagierten und intensiven Einsatz von Marciana, der von P. Manuel ausgebildeten Katechetin, ist diese Situation inzwischen bereinigt. Auch  P. Arturo musste dabei seinen wenig sensiblen Umgang mit den Leuten verändern.

Im Jahr 2017 dann wurde die Missionsstation praktisch geschlossen, da der Bischof den Schwestern überörtliche Aufgaben zugewiesen hat.

Die aktuelle Situation der mexikanischen Partnerschaften

In San Andrés Chicahuaxtla ist unsere Ansprechpartnerin jetzt Marciana, die zusammen mit P. Arturo in der Seelsorge arbeitet. Sie koordiniert auch die Arbeit der Katechet*innen den Teilgemeinden und nimmt als Verantwortliche an den Dekanatskonferenzen teil. Mit ihr ist vereinbart, dass unsere Unterstützung einerseits für soziale Hilfe an Bedürftige aller Altersgruppen eingesetzt werden soll – und zwar je nach der Einschätzung durch das Pastoralteam –, und andererseits für die Besuche der Katechet*innen in den entlegenen Teilorten und dazu benötigtes Arbeitsmaterial.

In San Miguel Progreso (Missionsstation) wird sich Maxi, eine von den Schwestern angeleitete Ehrenamtliche, ebenfalls um die Fälle von Bedürftigen kümmern, besonders im Bereich der alleinstehenden und unterversorgten Alten. Auch mit ihr gibt es eine Vereinbarung, die mit Schwester Gudelia, der ehemaligen Leiterin der Missionsstation, abgesprochen ist.

Die Überweisungen unserer solidarischen Spenden für beide Orte werden weiterhin auf das Konto von Schwester Gudelia gehen, die das Geld dann an Marciana und Maxi weitergibt.

Die Studienbeihilfe für 3-4 ausgewählte Studierende aus P. ManuelsGemeinde„Juquilita“ wird in seinem Auftrag durch eine Verantwortliche aus der Gemeinde direkt an die Studenten als monatliche Unterstützung ausbezahlt.

Daniel Simangas ist seit 2 Jahren in der Kirchengemeinde San Esteban in Axapusco tätig. Es ist eine Gemeinde nördlich von Mexiko-Stadt  mit hohem Anteil an Indigenen, weswegen er für den dortigen Pfarrer eine sehr wertvolle Hilfe ist. Seine Aufgaben in der Gemeinde sind inzwischen sehr zahlreich: Vorbereitung auf die Sakramente, verantwortliche Leitung der Wort-Gottes-Feier, pastorale Begleitung aller Gruppen, vornehmlich der Senioren und seit seiner Weihe im Februar 2018 auch das Lektorat. Seit 1 Jahr hat er dort das Theologiestudium wieder aufnehmen können und ist jetzt im vorletzten Studienjahr. Wir unterstützen ihn bei den Studiengebühren und sonstigen Ausgaben (Bücher, persönliche Dinge), auch sein Pfarrer steht ihm sehr zur Seite. Ein gesonderter Ordner, der normalerweise auf dem Schriftenstand in der Kirche liegt, dokumentiert in Wort und Bildern seinen Werdegang vom Katecheten bis heute.

Ausblick

Seit einigen Monaten hat die Erzdiözese Antequera von Oaxaca einen neuen Erzbischof. Das berechtigt zu gewissen Hoffnungen, vor allem was die Wertschätzung der Indigenen und deren pastorale Besonderheiten angeht. Möglich ist auch, dass die Missionsstation auch wieder mit Ordensschwestern besetzt werden kann. 

 

Noch ein Wort zu meiner Überweisungspraxis: Da im Fall der Missionsstation in 2017 erst die neue Struktur erprobt werden musste, habe ich Ende 2017 zunächst nur einen Teil des verfügbaren Geldes überwiesen. Wenn Kommunikation und Nachweise mit den neuen Verantwortlichen gelingen, wird auch das restliche Geld aus der Kollekte für San Miguel überwiesen.

Weil das Spendenaufkommen schwankt, die Bedürfnisse der Partner aber auf gleichem Niveau bleiben, achte ich darauf, dass immer ein gewisser „Puffer“ auf dem Konto verbleibt.